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Schipisten Rekultivierung
und Düngung mit Biokompost
- Ergebnisse eines Begrünungsversuches auf der Garnitzen Alm *-
Kompost
wird seit alters her als Humuslieferant und damit Garant für die
Aufrechterhaltung der Bodenfruchtbarkeit "gehandelt". Er eignet
sich nicht nur als organisches Bodenverbesserungsmittel in der Landwirtschaft
oder als Substratkomponente im Gartenbau sondern wird mehr und mehr im
Landschaftsbau für Neuanlagen und Rekultivierungszwecke eingesetzt.
Fragestellung und Versuchsanlage
In den Jahren 1997/98 wurden auf der Garnitzenalm (Sonnenalpe Nassfeld)
insgesamt 10 ha neue Schipisten erschlossen. Im Zuge der Planierungsarbeiten
und des Liftbaus wurde die natürliche Bodenoberschicht und deren
Bewuchs zerstört. Um der Abschwemmungsgefahr möglichst rasch
zu begegnen, müssen die Pisten nach Fertigstellung sofort mit angepassten
Alpingräsern und -kräutern begrünt werden.
Um ein rasches Anwachsen der Einsaaten innerhalb der kurzen Vegetationsperiode
zu gewährleisten, ist eine organische Düngung erforderlich.
Nach den Rahmenbedingungen des Umweltförderungsprogrammes in der
Landwirtschaft (ÖPUL 2000) müssen Almflächen nach den Richtlinien
des ökologischen Landbaues bewirtschaftet werden. Gemäß
den Richtlinien des ERNTE -Verbandes ist der traditionell im Schipistenbau
eingesetzte organische Handesldünger Biosol® nicht zugelassen.
Zwei Mitglieder der Almgemeinschaft betreiben eine landwirtschaftliche
Kompostierungsanlage für getrennt gesammelte biogene Abfälle
der Stadt Hermagor. Hier werden Grünschnitt, Häckselgut und
Küchenabfälle aus der Biotonne sowie eigener Mist verarbeitet.
Armin Herzog (Obmann der ARGE bäuerlicher Kompostierer Kärntens
und Betreiber der Kompostierungsanlage Hermagor) konnte sowohl die Almgemeinschaft
als auch die Liftgesellschaft davon überzeugen, Versuche mit Kompost
zur Rekultivierung der Schipisten durchzuführen. Das Ergebnis der
ersten vier Jahre lässt sich sehen.
Die wesentlichen Fragen waren zunächst:
Wie wirkt Kompost
als "Pflegedünger" auf bestehenden Almflächen?
Wie entwickelt sich
der Aufwuchs der Neuansaaten bei Rekultivierung mit Kompost unter verschiedenen
Standortbedingungen?
Welche Kompostmengen
erweisen sich als ausreichend?
Im Vergleich zu Biosol® und zur ungedüngten Kontrollparzelle
kamen zwei verschiedene Komposte zum Einsatz, die auf ihren Nährstoff-
und Schadstoffgehalt untersucht wurden.
Die Parzellen wurden sowohl auf einer bereits bestehender Almweide als
auch auf einer Planie mit geringer Bodenauflage bzw. auf einer Schutthalde
gänzlich ohne Bodenauflage eingerichtet. Die einmaligen Kompostausbringungsmengen
im Jahr 1998 betrugen 15, 30 und 60 t FM/ha auf der Almweide, 20, 40 und
80 t FM/ha auf den Flächen mit geringer Bodenauflage sowie 100 t
FM/ha auf der Schutthalde. Zur Einsaat wurden spezielle Samenmischungen
mit alpinen Ökotypen gewählt.
In einer tieferen Lage (1300 m) wurde 1999 ein weiterer Tastversuch zur
Neubegrünung einer Neuen Planie mit Kompost in verschiedenen Aufwandsmengen
(0, 20, 40, 80 und 120 t FM/ha Kompost) im Vergleich mit Biosol (1500
kg/ha) und einer Nullparzelle eingerichtet.
Im Juni 2002 wurde auf einer Auswahl der Parzellen eine Nachdüngung
von 20, 40 und 60 t/ha Kompost durchgeführt.
Alle Versuchparzellen wurden ab 1999 bodenkundlich, pflanzensoziologisch
und in Hinblick auf die Ertragsbildung und Futterqualität untersucht.
Wiederbegrünung einer zerstörten Bodenoberschicht mit Kompost
Einige Ergebnisse
Aufgrund der hochalpinen Bedingungen sind die Jahresschwankungen in den
Erträgen sehr hoch. Sie können den Komposteffekt vor allem in
den Folgejahren überdecken. So variierten auf einem der Standorte
die Erträge 2000 von 2,6 bis 16,7 dt TM/ha, im Jahr 2001 von 0,2
bis 2,8 dt TM/ha. Das zweite Versuchsjahr zeichnete sich durch mehr als
das 3-fache Ertragsniveau gegenüber dem Vorjahr aus. Die Trockenmasseerträge
sind mit einem Durchschnittswert von 18,4 dt TM/ha mit Daten aus der Literatur
gut vergleichbar. Im Versuchsjahr 2001 waren die Erträge auf sämtlichen
Versuchsparzellen so niedrig, dass man vom Standpunkt der oberirdischen
Biomasseproduktion von einem Ertragsausfall sprechen musste. Grund hierfür
war eine extreme Trockenheit im Frühsommer.
Steigende Kompostmengen brachten einen schnellen Bestandesschluss. Auch
im zweiten Jahr zeigte sich noch eine gute Nachwirkung. Bei einigermaßen
ähnlichen Bodenverhältnissen zeigen die Kompostgaben trotz jahresbedingten
Schwankungen noch über 4 Jahre Nachwirkungen auf die Ertragsbildung,
auch wenn kleinräumige Bodenunterschiede sich stärker bemerkbar
machen.
Die im Jahr 2002 nachgedüngten Varianten der Neuansaaten von 1998
zeigten wieder eine deutliche Abstufung nach der Aufbringungsmenge (20/40/80
t).
Beide Biosol-Stufen blieben auf der Almweide unter dem Ertragsniveau der
Kontrolle. Die Steigerung der Kompostgaben auf 30 und 60 t FM/ha erbrachte
ohne klare Differenzierung zwischen den beiden Düngestufen Erträge
zwischen 20,2 und 24,2 dt TM/ha. Somit wird die bessere Nachwirkung der
Komposte im 2. Jahr gegenüber Biosol verdeutlicht. Die Nachdüngung
im Jahr 2002 wirkte sich nur bei 60 t/ha aus.
Anhand von SIR-Analysen (Atmungsaktivität des Bodens anhand der Substrat
Induzierte Respiration) konnte nachgewiesen werden, dass in Kompost beaufschlagten
Flächen generell die mikrobielle Aktivität erhöht ist.
Auf reiner Schutthalde, also einem Standort ohne jegliche Bodenauflage,
hat sich die Begrünung innerhalb von 3 Monaten nach der Aussaat sehr
zufriedenstellend entwickelt und wies vergleichsweise hohe Kleeanteile
auf. Es traten aufgrund der nur sehr geringen Substratauflage im Laufe
der Jahre zwar Trockenschäden auf, die Kompostgabe war aber dennoch
ausreichend, um die Vegetationsdecke zu erhalten. Im Mittel über
die Jahre wurde eine Deckung von über 50 % bei einer Aufbringung
von zumindest 100 t Kompost (= ca 200 m³/ha) erreicht.
Die Nachdüngung mit 60 t FM Kompost im Jahr 2002 brachte eine Erhöhung
des Leguminosen- und Kräuteranteils und eine deutliche Verbesserung
des Zuwachses gemessen an der Wuchshöhe.
Auch von der Bestandesbildung und der Artenzusammensetzung her zeigt sich
nach vier Jahren, dass die Rekultivierung mit Kompost als gelungen zu
betrachten ist. Die Steigerung der Kompostmengen von 20 t auf 40 t und
weiter auf 80 t FM bewirkt erwartungsgemäß jeweils eine deutliche
Erhöhung des Wuchses und der Bodendeckung. Die Düngung mit 1,5
t Biosol® bewirkt eine etwas geringere Vegetationsentwicklung als
die Düngung mit 20 t FM Kompost
Die für den Futterwert einer Almwiese wichtigen Kleearten durch die
Kompostdüngung nachhaltig gefördert wurden. So fand man auf
den Kompostparzellen einen Kleeanteil von 50% bis 72%, während auf
den ungedüngten bzw. Biosol® -gedüngten Flächen nur
25% bzw. 40% erreicht wurden.
Die Versuchsflächen hielten trotz der immer wieder auftretenden Gewitterregen
größtenteils durch den guten Bestandesschluss der Erosionsgefahr
stand.
Empfehlungen:
Auf Basis der 4-jährigen Tastversuche kann der Einsatz von Kompost
für eine erfolgreiche Rekultivierung von Schipisten-Neuanlagen bei
ausreichender Bodenauflage in Mengen zwischen 40 und 60 t FM (60 - 85
m³) sowie unter extremen Bedingungen (Schutthalden) mit Aufbringungsmengen
von ca. 200 m³ empfohlen werden. In der Nachwirkung im Folgejahr
erwies sich Kompost gegenüber der konventionellen Düngung mit
Biosol sowohl bei Neuanlagen als auch in der Pflegedüngung als deutlich
überlegen. Im dritten und im vierten Versuchsjahr kommen jedoch die
Bodenunterschiede je nach der Niederschlagsverteilung wieder deutlicher
zum Tragen und die Kompostwirkung ist nur mehr vereinzelt feststellbar.
Eine Nachdüngung im 4. Jahr mit Mengen zwischen 40 und 60 t Kompost
hat sich daher als günstig erwiesen.
Florian Amlinger, Jutta Geszti, Stefan Peyr1,
1 Kompost - Entwicklung & Beratung, A-2380 Perchtoldsdorf,
Hochbergstr. 3
*in Kooperation mit Prof. Erwin Lichtenegger, DI Andreas
Berchtold, ARGE bäuerliche Kompostierung Kärnten; Gefördert
durch das Land Kärnten und das Bundesministerium für Land- und
Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft
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