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Einleitung

Durch die hohe Artenvielfalt sowie durch die natürlichen, zum Teil bereits sehr seltenen Lebensräume erfolgte die Nominierung des Gebiets "Görtschacher Moos-Obermoos" zum 995 ha großen Natura 2000-Gebiet im März 2000. Diese natürlichen Lebensräume mit ihren Tier- und Pflanzenarten sind in der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie (FFH) der Europäischen Union festgelegt. Durch geeignete Maßnahmen müssen diese Lebensräume und Arten geschützt und vor Verschlechterungen bewahrt werden. Dazu kann es auch erforderlich sein, bestimmte Tätigkeiten des Menschen beizubehalten und zu fördern. Managementpläne, in denen die anzustrebenden Ziele und die dazu notwendigen Maßnahmen beschrieben werden, ermöglichen eine langfristige Planung für die Erhaltung des Gebiets.

Ziel des Projektes ist die Erstellung eines Managementplanes für die Schutzobjekte des Gebiets, wobei sich sämtliche Maßnahmen ausschließlich auf die natürlichen Lebensraumtypen und Arten im Sinne der FFH-Richtlinie beziehen, Ackerflächen werden von den Maßnahmen nicht betroffen. In Phase I des Projekts steht die Grundlagenerhebung (Erhebung der Schutzobjekte im Gelände, Kartierung, Plandarstellung der Schutzobjekte) im Vordergrund.

 

Gebietsübersicht

 

Der Biotopkomplex Görtschacher Moos und Obermoos stellt das letzte noch großflächig erhaltene Gebiet dieser Art im Gailtal dar. Es ist zugleich eines der größten zusammenhängenden Feuchtgebiete Kärntens. Der besondere ökologische Wert liegt in der Verzahnung von aktuell genutzten und brach liegenden Feuchtwiesen mit Au- und Bruchwäldern und Augewässern.
Die traditionelle Landwirtschaft im Talbereich der Gail war bis vor der umfassenden Regulierung und Abdämmung der Gail bis zum Ende des 19. Jahrhunderts durch ausgedehnte Talsumpfwiesen charakterisiert. In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurden umfangreiche Entwässerungen durchgeführt und Hochwasserschutzdämme errichtet. Viele Altarme, Teiche und Flutmulden wurden verfüllt, die Auwälder bis auf wenige Reste gerodet.

Ein weitaus größerer Flächenanteil als heute wurde durch Mähnutzung bewirtschaftet. Bis Mitte des 20. Jahrhunderts hatten Streuwiesen in der stroharmen Region eine wirtschaftliche Bedeutung. Aus diesen Wiesen bezogen Landwirte das Einstreumaterial für den Viehstall. Auch durch die im Gebiet traditionelle Pferdehaltung wurden die Streuwiesen gefördert. Im Zuge der Änderungen in der landwirtschaftlichen Bewirtschaftung (Intensivierung der Feuchtflächen, Rückgang der Pferdehaltung), schwand die wirtschaftliche Bedeutung der Streuwiesen. Nutzungsänderung beziehungsweise Nutzungsaufgabe waren die Folge. Aktuell besteht vor allem durch die Nutzungsaufgabe der Streuwiesen im Untersuchungsgebiet dringender Handlungsbedarf. Die zum Teil extrem nassen und weichen Böden erschweren die maschinelle Bewirtschaftung. Werden Streuwiesen sich selbst überlassen, nehmen Gehölze überhand und sie entwickeln sich gemäß der natürlichen Entwicklung zu Bruchwäldern.

Die artenreiche Tierwelt des Gebietes zeichnet sich durch das Auftreten von österreichweit bedeutenden Hochmoorspezialisten aus. Von den mehr als 300 Schmetterlings- und 90 Spinnenarten sind ein Dutzend kärntenweit bislang nur aus dem Projektgebiet nachgewiesen! Zahlreiche Arten der Roten Listen - darunter vom Aussterben bedrohte Käferarten - finden im Gebiet optimale Lebensbedingungen. Mehrere Tierarten wie beispielsweise der Keulen-Zweizahnkanker erreichen hier ihre nördliche Verbreitungsgrenze. Russischer Bär und Bauchige Windelschnecke sowie Alpen-Kammmolch und Gelbbauchunke sind EU-weite Schutzobjekte, Moorfrosch und Bitterling besiedeln individuenstark den Webersee. Das langfristige Überleben dieser hoch angepassten Tierarten bedarf spezifischer Maßnahmen, unter anderem einer "Wiederbelebung" historischer Gail-Totarme.

Um den besonderen ökologischen Wert dieser schützenswerten Landschaft und ihrer besonderen Tier- und Pflanzenwelt für die Zukunft zu erhalten beziehungsweise zu erhöhen, sollen für das Görtschacher Moos Maßnahmenpakete erarbeitet und gemeinsam mit den Landwirten abgestimmt werden. Diese sollten weiteren ökologischen Verschlechterungen entgegenwirken und eine naturnahe Entwicklung der Schutzobjekte ermöglichen. Die Umsetzung der Maßnahmen wird über ÖPUL 2000 und andere Förderungsinstrumente wie N.A.B.L. (Kärntner Naturschutzprogramm) gefördert. Das Hauptziel liegt dabei in der langfristigen Erhaltung des naturschutzfachlich herausragenden Landschaftskomplexes.

   
 

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